Stahnsdorf

Müll gefressen: Familie trauert um toten Hund

Seit 15 Jahren leben Madeleine Arlitt und Thomas Lettow mit ihren zwei Kindern im Grashüpferviertel in Stahnsdorf. Vor elf Jahren kam ein Hund dazu, Sally, ein Australian Shepherd, gerade mal ein Welpe, den die ganze Familie innerhalb kürzester Zeit ins Herz geschlossen hat. Nun ist Sally tot, qualvoll verendet, nachdem sie bei einem Gassigang Medizinmüll gefressen hat. Madeleine Arlitt wendet sich mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. In der Hoffnung, dass sie sich nicht wiederholt und dass ein Umdenken einsetzt bei denen, die gedankenlos und dreist ihren Müll in der Natur entsorgen.

Sally verstarb am Dienstag, 03. September, an einer Sepsis. Dem voraus gingen ein tagelanger Kampf des Hundes und der Tierärzte und Tage voller Ungewissheit bei Familie Arlitt-Lettow. Was war geschehen?

Der 47-jährige Thomas Lettow und die quietschfidele Sally drehen an einem sonnigen Nachmittag Ende August ihre übliche Runde vom Mohrenfalterweg durch ein nahegelegenes Wäldchen, über Tulpenstraße und Dahlienweg auf die große Wiese, die ihnen fast täglich als Spielplatz dient. Die Wiese ist frisch gemäht und der Hund hat viele Nachrichten zu lesen von seinen befreundeten Artgenossen und auch von den Wildschweinen, die den Boden zerwühlt haben. An einer Stelle hält sich Sally lange auf, und als ihr Herrchen zu ihr kommt, bemerkt er, dass sie etwas im Maul hat. Er zieht ein gut 30 Zentimeter langes Stück Stoff heraus. „Gerade noch rechtzeitig“, denkt sich Lettow und misst dem Ganzen keine weitere Bedeutung bei.

Ein paar Tage später jedoch benimmt sich Sally merkwürdig. Am Morgen nichts fressen? Das kommt sonst nicht vor. Am Nachmittag fängt Sally an, sich zu erbrechen. Nicht einmal, nicht zweimal. Dauernd. Ein 30 Zentimeter großes Stück Mullverband kommt zum Vorschein. Entsetzt fahren die Eheleute in die Tierklinik. Dort stellen die Tierärzte hohes Fieber fest, aber weder das Röntgenbild noch die endoskopische Untersuchung des Magens geben Auffälligkeiten zu erkennen. Sally bekommt ein Antibiotikum sowie schmerz- und fiebersenkende Mittel. Zur Beobachtung bleibt die Hündin über Nacht in der Klinik.

Am nächsten Morgen jedoch bleibt ihr Zustand schlecht, das Fieber gleichbleibend hoch bei über 40 Grad. Und immer noch erbricht sich Sally. Die Veterinäre entdecken Flüssigkeit im Dünndarm und entscheiden sich für eine OP. Was sie finden, macht sprachlos: Ein langes Stück Mull in Schlauchform, „wie ein Kompressionsstrumpf“, sagt Lettow. „Die Tierärzte öffneten den Darm an drei Stellen, sechs Stunden dauerte die OP.“ Die Eheleute und die Tierärzte spekulieren, dass der Verbandsstoff sekretgetränkt oder blutverschmiert war, „denn sonst würde kein Hund so ein trockenes Gewebe verschlingen.“

Nach der OP ist die Wahrscheinlichkeit einer Entzündung sehr hoch und Sally kommt als Risikopatientin auf die Intensivstation. Im Laufe der folgenden Tage stabilisieren sich die Blutwerte, die Entzündungswerte bleiben aber hoch. Am Dienstag gibt es erste Anzeichen einer Sepsis, und auch das Fieber ist noch da. Die Eheleute stehen vor der Entscheidung: noch einmal operieren, obwohl das Risiko sehr hoch ist, dass Sally die OP nicht überlebt? Ja, sie wollen alles versuchen. Doch dazu kommt es nicht mehr. Sally erleidet kurz darauf einen Herz-Kreislauf-Stillstand, die Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos.

„Wir sind verzweifelt und zornig“, sagt Madeleine Arlitt. Und sie fährt fort: „Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, dass solch selbstvergessene Achtlosigkeit drastische Konsequenzen hat. Unser Hund ist tot, wir leiden sehr darunter und bleiben zudem noch auf einer Tierarztrechnung sitzen, die wahrscheinlich in die Tausende geht. Und das nur, weil irgendein Idiot seinen Müll in der Natur entsorgt, wegen nichts als einem Stück illegal verklappten Medizinmülls“, sagt sie erbost und traurig zugleich.

Foto: privat