Gedenken an den Armenhausbrand 1933
Fast 50 Großbeerenerinnen und Großbeerener erinnerten am Freitag an den Brandanschlag vor 91 Jahren auf das ehemalige Armenhaus in der Berliner Straße. Der Anschlag galt dem SPD-Mitglied Karl Schlombach, der mit seiner Familie zunächst fliehen konnte, aber unter dem NS-Regime unter anderem in verschiedenen Konzentrationslagern leiden musste und schließlich in Bergen-Belsen ums Leben kam.
Mit dem Brand des „Armenhauses“ in der Nacht zum 23. Februar 1933 wurden auf einen Schlag neun Großbeerener Familien obdachlos, die bis auf eine Ausnahme alle von Wohlfahrtsunterstützung lebten. Die Brandstiftung der Nazis richtete sich in erster Linie gegen den in diesem Haus lebenden Nazi-Gegner Karl Schlombach. Fast ein Jahrhundert später gedachten viele Großbeerener der tragischen Ereignisse von 1933.
Für Bürgermeister Tobias Borstel war Schlombach „ein Mann mit Haltung“. Menschen wie er seien damals wie heute wichtiger denn je, weil sie den Verunsicherten Hoffnung gaben und sich stellvertretend für alle anderen einem übermächtigen Regime entgegenstellten. Wie auch andere prominente Beispiele wie Julian Assange und Alexei Nawalny.
Karl Schlombach war Arbeiter und trat nach dem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg der SPD bei. Er wohnte in Großbeeren, war verheiratet mit Helene, geb. Spiesecke, und hatte eine Tochter Hanni, geb. 1922. Am 22. Februar 1933 kam es nach einem Fackelzug der NSDAP anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung in der Nacht zu einem Brandanschlag durch den SA-Sturmführer Teske auf das Gemeindehaus (Armenhaus) in Großbeeren, in dem Schlombach mit seiner Familie wohnte. Nach der Wahlveranstaltung drangen Nazis in das Gemeindehaus ein und setzten es in Brand. Am nächsten Tag organisierte Schlombach eine Solidaritätsaktion der SPD in Großbeeren.
Am 18. März 1933 wurden Schlombach in Lichterfelde und seine Frau in Großbeeren verhaftet. Als sogenannter Schutzhäftling wurde er von Spandau nach Sachsenhausen überführt und im KZ Sonnenburg bei Küstrin inhaftiert. Nach seiner Entlassung erhielt er die Auflage, nicht mehr nach Großbeeren zurückzukehren und sah sich gezwungen, mit seiner Familie nach Steglitz in die Birkbuschstr. 89 umzuziehen und seinen Lebensunterhalt als Maurer zu verdienen.
Am 14. Juli 1944 wurde Karl Schlombac erneut verhaftet und in das Arbeitserziehungs- und Durchgangslager Großbeeren eingeliefert. Wegen Haftunfähigkeit wurde er im Juli in das Krankenhaus Gr. Hamburger Straße verlegt. Nach einem kurzen Aufenthalt im KZ Sachsenhausen wurde er in das KZ Bergen-Belsen überführt, wo er am 25. Februar 1945 starb.

Auch Dr. Stephan Wilhelm, stellvertretender Vorsitzender des Bürgertisches für Demokratie in Großbeeren e.V., richtete seine Worte an die Teilnehmenden und betonte die Wichtigkeit, sich für eine funktionierende Demokratie einzusetzen. Der Bürgertisch hatte anlässlich der Gedenkveranstaltung dazu aufgerufen, Flagge gegen Rechts zu zeigen.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Barbara Matthies, die das antifaschistische Arbeiterlied „Mein Vater wird gesucht“ sowie ein selbst komponiertes Lied vortrug.
Fotos: Gemeinde Großbeeren