Berlin

Autoren im Exil

Autoren im Exil – das verbindet man unweigerlich mit der Zeit zwischen 1933 und 1945. Zahlreiche Journalisten und Schriftsteller erhielten Berufsverbot – manch einer wurde sogar verhaftet und kam im KZ zu Tode. Autoren im Exil gibt es aber auch heute noch – weltweit. Sie sind beispielsweise aus der Türkei, Afghanistan oder Syrien geflüchtet und leben auf der ganzen Welt „verstreut.“ Hauptsache, im Asylland herrscht Demokratie.

Am 7. September machte eine gemeinsame Veranstaltung vom „Tagesspiegel“, der Robert-Bosch-Stiftung und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Berlin-Kreuzberg darauf aufmerksam. Das Motto der Veranstaltung in den Räumen der Zeitung „Tagesspiegel“: „Wir wählen die Freiheit.“

Freie, allgemeine und geheime Wahlen, Pressefreiheit, das Recht, Parteien zu gründen, Meinungsfreiheit und die Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte gelten in unseren Breitengraden als Selbstverständlichkeit. Lange ist es her, dass Menschen auch bei uns dafür auf die Straße gehen mussten. Die Grundrechte des deutschen Volkes wurden am 27. Dezember 1848 verkündet. Für Bürger aus Kriegsgebieten oder Diktaturen sind sie jedoch Fremdworte. In der Ausgabe des „Tagesspiegel“ vom 8. September gab es eine Sonderbeilage mit Artikeln der Exiljournalisten zur Politik in Deutschland und in ihren Heimatländern. Damit setzt die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ihr Engagement mit Geflüchteten und Exiljournalisten fort. Im Oktober 2016 waren in Kooperation mit dem Tagesspiegel bereits in einer Sonderausgabe Texte von Exiljournalisten veröffentlicht worden. Daraus hervorgegangen ist auch die gemeinsame Veranstaltungsreihe "Diwan" zu Themen rund um Flucht, Integration und Migration.

Der aus Syrien stammende Journalist Hussein Ahmad (33) lebt seit 2013 in Deutschland. Er wies darauf hin: „Im Artikel 33 der syrischen Verfassung steht: Die Freiheit ist ein heiliges Recht, das der Staat garantiert.“ Auf dem Papier haben die Syrer also die „heilige“ Freiheit, aber die Realität sieht anders aus.“

Muhamad Abdi (25) kommt ebenfalls aus Syrien und lebt seit 2015 in Deutschland. Er arbeitet als Volontär beim Tagesspeigel und betonte: „Freiheit hat verschiedene Bedeutungen und Formen. Freiheit heißt Respekt. Freiheit heißt auch, ich kann Sachen sagen, ohne Angst zu haben.“

Aus Afghanistan stammt der Journalist Hamid Arman (35). Er lebt seit 2015 in Berlin. Für ihn „bedeutet Freiheit einen Segen. Sie hat einen unschätzbaren Wert-daher sollten wir sie respektieren und für sie kämpfen, auch wenn es unser Leben kostet.“

Verwundert nahmen einige Exilautoren bei ihrer Ankunft in Deutschland zur Kenntnis, wofür man hier so auf die Straße geht. Sei es am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, oder weil Manager einer Firma angekündigt haben, Personal abzubauen und man sich dagegen wehren möchte. Studenten beteiligen sich hier an einer Demonstration, weil eine Studiengebühr eingeführt werden soll oder die Examensregelungen verändert worden sind. Hier geht aber niemand auf die Straße, weil die Menschenrechte ausgehebelt werden und wir Gefahrlaufen, eine Diktatur zu werden. Ein Teilnehmer sprach sogar davon: Als er nach Deutschland kam und seine erste Demonstration als Zuschauer erlebte, fragte er seinen deutschen Freund, ob man die Dächer der Hochhäuser kontrolliert habe. Dort würden sich ja immer die Scharfschützen der Sicherheitspolizei verstecken. Sein deutscher Freund lachte den Exiljournalisten aus und wies darauf hin, in Deutschland brauche man keine Scharfschützen, die bei einer Demonstration Staatskritiker unter Beschuss nähmen, fürchten.

Ein Sachverhalt ist aber auch klar, sei es nun für Länder des „Arabischen Frühlings“ oder anderswo: Ein Staat lebt nicht nur von Demokratie und Menschenrechten allein! Fehlt die wirtschaftliche Perspektive für die Bevölkerung und die Menschen hungern, ist die zarte Pflanze Demokratie in Gefahr. Zu groß das Risiko, ein starker Führer stellt sich vor die Massen und verspricht für Jung und Alt „Arbeit und Brot.“ In Deutschland kamen die Faschisten 1933 leicht an die Macht, weil das Land eine sehr hohe Arbeitslosenquote hatte und Hitler mit seinem Heilsversprechen, er werde für Arbeitsplätze sorgen, die Massen verführen konnte. Jede demokratische Struktur braucht wirtschaftlichen Wohlstand. So sieht es auch der FDP-Politiker Florian Swyter. Er gehört dem Berliner Abgeordnetenhaus an und ist wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion.

Florian Swyter teilte im Pressegespräch mit: „Wir Freien Demokraten verfolgen das Ziel, Freiheit und Menschenrechte weltweit zu stärken. Grundlage für die Durchsetzung dieser Werte ist ein demokratisches System und soziale Marktwirtschaft. Nur wenn beides gewährleistet ist, haben Menschen das Recht auf freie Mitwirkung an Politik und Selbstverwirklichung. Demokratie und freie Marktwirtschaft gehören für uns zusammen und sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir glauben, dass internationaler Handel den Frieden sichert und zur Stärkung demokratischer Strukturen beiträgt, weil er die Welt näher zusammenrücken lässt. Wir setzen also auf Wandel durch Handel und wissen, dass dies für einige Länder ein langer Weg ist.“

 

Foto: Muhamad Abdi

 

(Text/Foto: VTN)