Allen Widrigkeiten zum Trotz
Seit dem 24. Februar 2022 verteidigt sich die Ukraine gegen den Angriff Russlands. Die Kämpfe toben im Osten und Südosten des Landes, aber auch die Westukraine mit ihrer Metropole Lwiw ist vom Krieg gezeichnet.
Die größte Stadt der Westukraine ist Lwiw. Im Jahre 1259 erstmals urkundlich erwähnt, war und ist diese Stadt vor allem eines: eine Stadt des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Sie hat in unterschiedlichen Epochen ihren Namen einem berühmten Tier zu verdanken, dem Löwen. So ist Lew der altslawische Begriff für „Löwe“. Anfangs waren die Ukrainer eine von mehreren Bevölkerungsgruppen. So ist Lwów die polnische Version, da die Stadt lange Zeit ein Teil Polens war. Lemberg ist der deutsche Name, aus der Zeit, als die Stadt Teil der habsburgischen Donaumonarchie war. Lwow ist die russische Bezeichnung, da die Stadt auch Teil der russischen Geschichte ist. Neben einer größeren armenischen Minderheit war Lwiw eines der großen Zentren jüdischen Lebens.
Die Lebensander der Ukraine
Nach einer wechselvollen Geschichte gehört Lwiw nun seit 1991 zur Ukraine, 2012 war die Stadt Teil der Fußball-EM. Doch daran denkt heute niemand mehr. Heute, gut eineinhalb Jahre nach dem Angriff Russlands kommt Lwiw eine besondere Rolle zu: Sie ist zu einer Lebensader der Ukraine geworden. Ob als Eisenbahnknotenpunkt oder Autobahnkreuz, von hier geht es nicht nur in alle ukrainischen Landesteile. Lwiw ist nur gut 80 Kilometer von der polnische Grenze entfernt.
Für die Menschen ist seitdem nichts mehr, wie es war. Nach Kriegsbeginn rollte auf die 700.000 Einwohner Stadt eine riesige Flüchtlingswelle zu, welche die Einwohnerzahl zeitweise verdoppelte. Lwiw ist außerdem Drehscheibe für die meisten internationalen Helfer sowie der zivilen und militärischen Hilfstransporte. Der Strom wird zeitweise abgestellt, vor allem nachts. In den Straßen dröhnen die Dieselgeneratoren vor fast jedem Geschäft. Darüber schwebt die ständige Angst vor Raketen und Drohnenangriffen. Nach Kriegsbeginn traf es einen Gewerbepark außerhalb der Stadt, vor einigen Wochen einen ganzen Straßenzug in der historischen Innenstadt.
Trotz all dieser Umstände haben die Menschen ihren Willen zum Leben nicht verloren. Solidarität untereinander und mit allen Menschen die ihre Stadt durchqueren, ist überall zu spüren. Was bleibt ist die Hoffnung auf ein Leben wie vor dem Krieg. Christian Zache
Bild: Christian Zache