Deutschlandticket Sozial: fehlendes Angebot in Brandenburg
Der Paritätische Gesamtverband präsentiert eine neue Studie und fordert ein bundesweit einheitliches „Deutschlandticket Sozial“ für 25 Euro. In Brandenburg fehlt ein Sozialtarif für das Deutschlandticket flächendeckend.
Mobilität ist ein zentraler Faktor sozialer Teilhabe. Eine 3. April veröffentlichte Studie des Paritätischen Gesamtverbands zeigt erstmals, dass der Zugang zu vergünstigten Nahverkehrstickets in Deutschland stark vom Wohnort abhängt – mit alarmierenden schwarzen Löchern im Angebot. Brandenburg zählt für das Deutschlandticket dazu: Hier gibt es keinen Sozialtarif für das deutschlandweite Ticket, im Gegensatz etwa zu Hamburg, Hessen oder Nordrein-Westfalen.
Zwar gibt es das „Mobilitätsticket Brandenburg“, das für Menschen im Sozialleistungs-Bezug vergünstigte Monatstickets anbietet. Doch wer auf dem Land lebt und zur Arbeit in einen anderen Landkreis pendeln muss, zahlt mit 66,30 Euro pro Monat bereits einen höheren Preis als für das reguläre Deutschlandticket, für das aktuell 58,00 Euro im Monat fällig werden. Selbst, wer bei den Verkehrsbetrieben Berlin-Brandenburg nur ein Ticket-Abo für einen Landkreis erwirbt, zahlt mit 56,20 Euro fast so viel wie für das bundesweite Ticket. „Die Verkehrswende gelingt nur sozial verträglich. Menschen in Brandenburg, die auf dem Land leben, müssen im Vergleich tief in die Tasche greifen, wenn sie mit Bus und Bahn fahren möchten. Der Sozialtarif für ein Monatsticket ist zum Teil höher als der reguläre Tarif für das Deutschlandticket – das lässt sich den Menschen nur schwer vermitteln. Dazu kommt, dass es für diese Menschen überhaupt nur ein eingeschränktes öffentliches Verkehrsangebot gibt. Soziale Teilhabe ohne Mobilität ist heute kaum mehr möglich“, sagt Andreas Kaczynski, Vorstand des Paritätischen Brandenburg: „Eine bundesweite einheitliche Regelung ist überfällig.“
Der auf der Paritätischen Webseite kostenfrei zugängliche „Sozialticket-Atlas“ dokumentiert detailliert die erheblichen regionalen Unterschiede bei Sozialtickets. Der Verband fordert daher die Einführung eines bundesweit einheitlichen „Deutschlandticket Sozial“ für 25 Euro im Monat.
Der jetzt veröffentlichte Sozialticket-Atlas zeigt einen Tarif-Flickenteppich mit gravierenden Lücken: Die Verfügbarkeit vergünstigter Nahverkehrstickets in Deutschland ist extrem uneinheitlich und eher die Ausnahme. Drei Bundesländer sowie 28 Kommunen bieten Sozialtarife für das Deutschlandticket an, in großen Teilen des Landes fehlen diese komplett.
Überall ist ein Stadt-Land-Gefälle erkennbar: Während drei von vier städtischen Kommunen ein Sozialticket anbieten, ist es nur eine von drei ländlichen Kommunen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert daher ein „Deutschlandticket Sozial“, das für alle gilt, die Sozialleistungen empfangen, das heißt Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz.
Die Finanzierung eines Deutschlandticket Sozial wäre durch Umschichtungen innerhalb des Verkehrsbudgets leicht möglich: Allein 2020 flossen 25 Milliarden Euro in klimaschädliche Subventionen im Verkehrssektor. Ein bundesweites Sozialticket würde weniger als 1,5 Prozent dieser Summe erfordern. Auch der europäische Klima- und Sozialfonds für Wärme und Verkehr könnte für eine Übergangsfinanzierung genutzt werden.
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